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  Institut für Bewegungsanalyse
 
Anwendungsgebiete der Bewegungsanalyse
Bewegungsanalyse in der Psychotherapie
Die Bewegungsanalyse bietet die Möglichkeit, Konflikte bewegungsdiagnostisch zu erfassen. Der individuelle motorische Befund ist die Grundlage für die themenzentrierte oder personenzentrierte Technik der Intervention. Auf diese Weise können Patienten die eigenen Bewegungen als unmittelbares Medium ihrer Handlungen erleben und diese Erkenntnisse im intersubjektiven Dialog mit dem Therapeuten reflektieren. Es ist nahe liegend, dass die Bewegungsanalyse den Zugang zu den präverbalen bzw. präsymbolischen Konstituenten der Persönlichkeit erleichtert. In der Bewegungsanalyse wird Körperbewegung weder symbolisch als Körpersprache, noch behavioristisch als Verhalten interpretiert, sondern als die Äusserung der unbewussten Selbstauffassung. Jede Einschränkung auf eine Konstellation bestimmter Bewegungen offenbart die Abwehr des immanenten Handlungspotentials. Die latenten Konflikte erschliessen sich aus der manifesten Motorik. Sie ist der Zugang zu den abgewehrten und verborgenen Ressourcen des Erlebens und Handelns.
Die Bewegungsanalyse wurde 1994 vom Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie als Weiterbildung für Psychotherapeuten anerkannt.

Bewegungsanalyse in der Sozialpädagogik
Zum systematisierten Grundlagenwissen der Bewegungsanalyse gehört es, einengende Beziehungsmuster erkennen und durch gezielte Bewegungserfahrungen erweitern zu können. Jeder Bewegungsbefund bietet eine Perspektive auf das Selbstverständnis des Klienten. Er liefert Hinweise auf Interventionen, welche die individuellen Bewegungs- und Handlungsmöglichkeiten klären und verändern können. Die bewegungsanalytische Sichtweise ermöglicht dem Team, die persönlichen Ressourcen des Klienten realistisch einzuschätzen und seine Eigenständigkeit zu fördern.

Bewegungsanalyse in der Physiotherapie
Einschränkungen auf bestimmte Bewegungsmuster, die im Widerspruch zum organischen Befund unveränderbar scheinen und sich nicht als Störung des Bewegungsapparates erklären lassen, sind bewegungsanalytisch als körperliche Symptome persönlicher Konflikte diagnostizierbar. Daraus ergeben sich Behandlungsansätze, wenn die physiotherapeutische Intervention stagniert. Da die Bewegungsanalyse sich dem Zusammenhang von Motorik und Persönlichkeit diagnostisch annähert und somit auch Beziehungsmuster erkennt, können die bevorzugten Interaktionsweisen des Patienten konstruktiv für die Behandlung genutzt werden. Der bewegungsanalytische Befund weist darauf hin, wie das Bewegungspotential realistisch erweitert und damit motorische Ressourcen freigesetzt werden können.

Bewegungsanalyse in der Pädagogik
Es ist ein auffälliges gesellschaftliches Phänomen unserer Zeit, dass viele Kinder und Jugendliche sich immer weniger bewegen. Dafür sind zum Beispiel Trägheit bzw. mangelnde Initiative, gestörtes Körperbewusstsein und Übergewicht symptomatisch. Die Bewegungsanalyse schult ein Verständnis von Motorik, wodurch vorhandene, aber auch brachliegende Bewegungsressourcen erkannt werden können. Mit diesen Kenntnissen lässt sich nicht nur die optimale Entfaltung des individuellen Bewegungspotentials, sondern auch die altersgemässe Entwicklung der Persönlichkeit gezielt und dennoch spielerisch fördern.

Bewegungsanalyse in der Psychiatrie
Die verbale Erreichbarkeit und/oder verbindliche Kommunikationsfähigkeit von psychiatrischen Patienten sind meist erheblich eingeschränkt. Auch die Begegnung mit den motorischen Auffälligkeiten dieser Patienten prägt den beruflichen Alltag von psychiatrisch Tätigen. Die Bewegungsanalyse standardisiert Kriterien zur Beobachtung der Spontanbewegung. Die daraus resultierenden Befunde dokumentieren die für den Patienten verfügbaren Ressourcen der Alltagsbewegung. Die Interpretation dieser Befunde eröffnet zudem eine theoretische Perspektive auf die Art und Weise, wie der Patient den eigenen Körper auffasst.
In Ergänzung zu den üblichen medikamentösen, verbalen und sozialen Behandlungsmassnahmen ergeben sich durch die Bewegungsanalyse Möglichkeiten der Bewegungsintervention. Diese strukturierenden Anreize beziehen sich nicht funktional auf den Bewegungsapparat, sondern lassen die Patienten sich als Handelnde erfahren, die sich aktiv engagieren, Gegebenheiten des Alltags realistisch zu erkennen und diesen konstruktiv entgegnen zu können. Wo fixierte motorische Handlungsmuster störend auf das soziale Handlungspotential von Patienten einwirken und somit die Behandlung hemmen, kann die bewegungsanalytische Sicht auf Bewegung dazu beitragen, die für den Patienten konflikthaften Aspekte des Behandlungsprozesses zu erkennen und aufzulösen.

Bewegungsanalyse in der Sonderpädagogik
Vorteilhaft an der bewegungsanalytischen Intervention mit körperlich oder geistig behinderten Menschen ist, dass sie diagnostisch nicht auf die Interpretation verbaler Aussagen oder Verhaltensweisen angewiesen ist. Die Analyse des individuellen Bewegungsfundus offenbart ungelöste Konflikte in Bezug auf die Vorstellung vom eigenen Körper, die Beziehung zu anderen Personen und die Einschätzung des eigenen Handlungspotentials.

Bewegungsanalyse in der Psychomotorik-Therapie
Die Bewegungsweise eines Kindes weist nicht nur auf Besonderheiten des Verhaltens hin, sondern offenbart zudem eine persönliche Auswahl an elementaren motorischen Ressourcen. Die Bewegungsanalyse eröffnet eine motorische Perspektive auf aktuelle interaktive Konflikte des Kindes und die Art und Weise, wie diese hemmend auf sein Selbstverständnis wirken. Die in der Bewegungsanalyse standardisierten Kriterien zur Bewegungsbeobachtung bieten Psychomotorik-Therapeutinnen eine Ergänzung der diagnostischen Instrumente und Richtlinien der effektiven Bewegungsintervention.


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