Die verbale Erreichbarkeit und/oder verbindliche Kommunikationsfähigkeit von psychiatrischen Patienten sind meist erheblich eingeschränkt. Auch die Begegnung mit den motorischen Auffälligkeiten dieser Patienten prägt den beruflichen Alltag von psychiatrisch Tätigen. Die Bewegungsanalyse standardisiert Kriterien zur Beobachtung der Spontanbewegung. Die daraus resultierenden Befunde dokumentieren die für den Patienten verfügbaren Ressourcen der Alltagsbewegung. Die Interpretation dieser Befunde eröffnet zudem eine theoretische Perspektive auf die Art und Weise, wie der Patient den eigenen Körper auffasst.
In Ergänzung zu den üblichen medikamentösen, verbalen und sozialen Behandlungsmassnahmen ergeben sich durch die Bewegungsanalyse Möglichkeiten der Bewegungsintervention. Diese strukturierenden Anreize beziehen sich nicht funktional auf den Bewegungsapparat, sondern lassen die Patienten sich als Handelnde erfahren, die sich aktiv engagieren, Gegebenheiten des Alltags realistisch zu erkennen und diesen konstruktiv entgegnen zu können. Wo fixierte motorische Handlungsmuster störend auf das soziale Handlungspotential von Patienten einwirken und somit die Behandlung hemmen, kann die bewegungsanalytische Sicht auf Bewegung dazu beitragen, die für den Patienten konflikthaften Aspekte des Behandlungsprozesses zu erkennen und aufzulösen.